Bernd
Oppl ist Horace und 'Noise Never Sleeps' ist sein erstes Statement
im Albumformat. Seit 2004 schlägt der Linzer an verschiedensten Orten zwischen
klassischer Konzertsituation und experimentierfreudigem Dancefloor sein Notebook
auf und läßt eine Kaskade an wohl durchdachten und sorgfältig organisierten
Sounds los. Gerne wird sein Live-Set von befreundeten Videokünstlerinnen wie
Sabine Stuller oder Verena Resch begleitet, aber im Mittelpunkt steht immer
das, was Horace seiner Festplatte an Klängen entlockt. Doch: Laptop-Musik in
2007, ohne folky Gitarrengeklimper oder Neo-Klassik-Gewaber, geht das denn noch?
Oh ja, das geht, und wie!
Horace-Musik ist zwar abstrakt, umgeht aber geschickt die Informatik-Leistungskurs-Special-Effect-Langeweile,
die viele Plugin-Checker für so erstrebenswert halten. Der Beat darf sich ruhig
mal entfalten, damit's spannend bleibt geht das Stück trotzdem ganz anders aus,
als es angefangen hat. Kleine Geschichten aus Sound, zuhören, sonst verpasst
Du was! IDM, Intelligent Dance Music? Ach, lieber Kopfhörer auf und miterleben,
wie Horace die warmen Melodie-Partikel seiner Tracks hinter einem dreifach gebrochenen
Beat und einer Wand aus pastellig abgetöntem Noise versteckt, dabei dennoch
nicht die Bassline aus den Augen verliert. Mitwippen geht trotzdem. Oder einer
in Trockeneis gezeugten Ambient-Fläche beim Flirt mit zerhäckselten Sub-Bässen
beiwohnen, bis dann plötzlich ein harmoniesüchtiges Loop die Nackenhaare wohlig
aufrecht stehen läßt. Hier hat sich jemand zum Ziel gesetzt: in einem Track
muß möglichst viel passieren, sonst steh' ich morgens gar nicht erst auf. Und
Horace hat recht damit, jede Sekunde ist spannend, ständig passiert etwas, eben:
'Noise Never Sleeps'. Die Tracks sind dabei häufig von einer intensiven Spannung
durchzogen. Mal implodieren die Klänge fast, mal scheint alles langsam zu zerfasern,
nur um im nächsten Moment mit einem zwingenden Beat wieder auf die Mittelspur
zurückzukehren. Und da Horace in einem Stück mehr erzählt als andere auf ganzen
LP-Seiten, ist folgerichtig nach 33 Minuten Schluss. Man kann ja nochmals Play
drücken und sich freuen, dass einem keine halbgaren Filler die Zeit stehlen,
sondern jemand aus der vollen Vielfalt schöpft und dennoch 1a auf den Punkt
kommt. (Tobias Lindemann)